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Hauptthema: Virtualisierte/simulierte/digitale Zwillingskomponenten eines Ladeökosystems für die Simulation eines internen/cloudbasierten End-to-End-Ladeökosystems

Stellen Sie sich vor: Sie sind mit Ihrem Elektroauto auf einer Reise. Sie halten an einer öffentlichen Ladestation, stecken das Kabel ein und … nichts passiert. Frustrierend? Absolut. Laut JD Power ist das leider Realität; es passiert bei etwa 201.040.000 öffentlichen Ladeversuchen.

Warum passiert das immer wieder? Die Antwort liegt nicht nur in Hardwarefehlern oder einfach nur in Pech. Es geht um das unsichtbare Netzwerk von Systemen – Apps, Ladegeräte, Zahlungsportale, Stromnetze und vieles mehr –, die alle jedes Mal perfekt zusammenarbeiten müssen.

Einer der Hauptgründe für das Scheitern öffentlicher Ladevorgänge von Elektrofahrzeugen ist die enorme Komplexität des Ökosystems. Jeder Ladevorgang erfordert ein reibungsloses Zusammenspiel vieler verteilter und oft fragmentierter Systeme – Fahrzeugsoftware, Ladestationen, Zahlungsportale, Schnittstellen zu Energieversorgern und vieles mehr. Fällt auch nur eine einzige Komponente aus, kann der gesamte Ladevorgang zusammenbrechen und die gesamte Wertschöpfungskette beeinträchtigen.

Die Wertschöpfungskette des Ladens von Elektrofahrzeugen: Ein komplexes Orchester

Das Ökosystem für das Laden von Elektrofahrzeugen besteht aus zwei Hauptteilen:

  • Frontend-Ladeschnittstellen:
    Dies sind die Berührungspunkte für die Nutzer – mobile Apps, Ladesysteme im Auto und die Ladegeräte selbst. Sie verbinden die Fahrer mit dem Ladevorgang und müssen nahtlos mit den Backend-Systemen kommunizieren.
  • Backend-Ladeinfrastruktur:
    Dazu gehören Betreiber von Ladestationen, Anbieter von E-Mobilitätsdienstleistungen, Zahlungsdienstleister, Energieversorger und Fahrzeughersteller. Jeder Akteur trägt mit unterschiedlichen Werkzeugen, Technologien und Standards zu einem Teil des Ganzen bei.

Die Herausforderung? Alle diese Komponenten und Systeme – die oft isoliert entwickelt und getestet werden – müssen einwandfrei zusammenarbeiten, um ein reibungsloses Ladeerlebnis zu gewährleisten.

Die eigentliche Herausforderung: Verifizierung und Validierung (V&V) im gesamten Ökosystem

Die Integration neuer Komponenten in das Ökosystem der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ist alles andere als einfach. Jede neue Version ist ein komplexer, zeitaufwändiger Prozess, der oft mit Fehlern behaftet ist – nicht etwa, weil den Komponenten Funktionen fehlen, sondern weil das Ökosystem selbst ein hochkomplexes Geflecht aus zahlreichen Akteuren, Produkten, Schnittstellen, Werkzeugen und Technologien darstellt.

Die Verifizierung und Validierung (V&V) dieser Komponenten stellt nicht nur eine technische Hürde dar, sondern ist eine enorme Herausforderung in puncto Koordination und Orchestrierung. Kein einzelnes Unternehmen kontrolliert die gesamte Wertschöpfungskette der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Stattdessen sind mehrere Organisationen – jede mit ihren eigenen Produkten, Tools und Zeitplänen – für unterschiedliche Bereiche verantwortlich. Das bedeutet, dass die Gewährleistung eines reibungslosen Zusammenspiels eine der größten Herausforderungen für alle Beteiligten darstellt.

Drei Hauptfaktoren machen diesen Prozess anfällig:

  1. Verteilte Eigentumsverhältnisse: Die Verantwortung ist auf viele Hände verteilt, was eine durchgängige Überwachung erschwert.
  2. Diverse Technologien: Die Integration von Altsystemen mit den neuesten Innovationen verläuft selten reibungslos.
  3. Unabhängige Lebenszyklen: Jede Komponente entwickelt sich in ihrem eigenen Tempo, oft nicht synchron mit dem Rest des Ökosystems.

Heutzutage entwickeln und testen die meisten Beteiligten ihre Komponenten isoliert und integrieren sie erst spät im Entwicklungsprozess. Dieser Ansatz ist nicht nur langsam und fehleranfällig, sondern erschwert auch die Stabilitätssicherung bei wachsendem Ökosystem. Begrenzte, isolierte Testumgebungen können die Komplexität realer Interaktionen schlichtweg nicht abbilden – was zu häufigen Ausfällen und einem instabilen Ladeerlebnis für die Nutzer führt.

Die Lösung: Digitale Zwillingsplattform mit Shift-Left-Methoden

Um die Herausforderung der Verifizierung und Validierung eines derart verteilten und unzusammenhängenden Ökosystems für das Laden von Elektrofahrzeugen zu bewältigen, schlagen wir eine einheitliche digitale Zwillingsplattform vor, die durch Shift-Left-Methoden erweitert wird. Dieser Ansatz ermöglicht allen Beteiligten den Zugriff auf eine virtuelle, durchgängige Nachbildung des gesamten Ökosystems für das Laden von Elektrofahrzeugen. Hier kann jede Komponente – sei es eine mobile App, eine Ladestation oder ein Backend-Dienst – frühzeitig und gründlich getestet werden, nicht nur isoliert, sondern im Kontext des Gesamtsystems.

Zwei wesentliche Unterschiede zeichnen die auf digitalen Zwillingen basierende Verifizierung und Validierung (V&V) im Vergleich zu traditionellen Methoden aus:

  1. Skalierung: Traditionelle Verifizierung und Validierung konzentrieren sich auf einzelne Komponenten und deren unmittelbare Integration. Digitale Zwillinge hingegen ermöglichen es uns, ganze Anwendungsfälle zu simulieren und zu validieren und zu beobachten, wie sich jede Komponente innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette verhält.
  2. Vorgehensweise: Während die konventionelle V&V von unten nach oben erfolgt – also aus einzelnen Teilen aufgebaut wird –, ist die digitale Zwillings-V&V von oben nach unten ausgerichtet und behält dabei stets das Ladeerlebnis des Endnutzers im Blick, einschließlich Anwendungsfällen für das gesamte EV-Ökosystem, Missbrauchsfällen und Fehlgebrauchsfällen.

Die digitale Zwillingsplattform ist mit vorintegrierten Simulatoren für alle wichtigen Komponenten des Ladeinfrastruktur-Ökosystems für Elektrofahrzeuge ausgestattet. Die Beteiligten können die Umgebung an ihre Bedürfnisse anpassen und ihre Komponenten in einem validierten digitalen Ökosystem testen. Die Validierung kann auf drei Ebenen erfolgen:

  • Reine Software: Alle Komponenten werden digital simuliert.
  • Niederspannung: Die Software interagiert mit der Referenzhardware.
  • Hochspannung: Für die Prüfung des Gesamtsystems werden echte Hardwarekomponenten verwendet.

Die Bibliothek der Plattform mit Plug-and-Play-Simulatoren deckt alles ab, von mobilen Apps und Ladesystemen für Fahrzeuge bis hin zu Zahlungsmodulen und Schnittstellen für Versorgungsunternehmen. Zum Beispiel:

  • Mobile App Simulators: Testen Sie Customer Journeys und intelligente Ladefunktionen.
  • EV-Systemsimulatoren: Validierung von Ladeinfrastrukturen, Protokollen und Zonenarchitekturen.
  • CPO- und eMSP-Module: Simulation von OCPP/OCPI-Verbindungen, Roaming und Zertifizierung.
  • Zahlungs- und Nutzungsmodule: Umfassen Szenarien für Kreditkarten, RFID, UPI und Grid-Protokolle.

Dieser Ansatz mit dem digitalen Zwilling bietet vier wesentliche Vorteile:

  • Kundenorientiertes Testen: Validierung realer Anwendungsfälle im gesamten Ökosystem.
  • Plug-and-Play-Flexibilität: Komponenten können für Einzel-, Integrations- und Systemtests einfach ausgetauscht werden.
  • Kontinuierliche Integration: Passt sich den Produktlebenszyklen an und gewährleistet zuverlässige, fortlaufende Releases.
  • Individualisierung: Passen Sie den digitalen Zwilling an spezifische Regionen, Technologien oder Prototypen an, um eine gezielte Validierung zu ermöglichen.

Abschluss

Das Ökosystem für das Laden von Elektrofahrzeugen ist eines der komplexesten und am weitesten verteilten Systeme im heutigen Mobilitätsbereich. Um den Fahrern die reibungslosen und zuverlässigen Erlebnisse zu bieten, die sie erwarten, müssen wir von isolierten Tests zu einer ganzheitlichen, kundenorientierten Validierung übergehen.

Digitale Zwillingsplattformen – kombiniert mit Shift-Left-Methoden – bieten einen vielversprechenden Weg in die Zukunft. Durch frühzeitige und umfassende Verifizierung und Validierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette können wir Innovationen beschleunigen, Fehler reduzieren und das für die breite Akzeptanz von Elektrofahrzeugen notwendige Vertrauen aufbauen.

Lasst uns dafür sorgen, dass das Laden von Elektrofahrzeugen funktioniert – jedes Mal, für alle.

Autoren

Devendrakumar Banker – KMU, Elektrischer Antriebsstrang 
Aditi Tiwari – Marketingmanagerin 

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